Seitenbeginn . Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

800. Jahrestag der Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom


Am 22. November 2020 hat sich die Krönung des Stauferkönigs Friedrich II. (1194 – 1250) zum römisch-deutschen Kaiser zum 800. Mal gejährt. Dies nimmt das Staatsarchiv Meiningen zum Anlass, eine Urkunde vorzustellen, die in besonderer Weise geeignet ist, die Beziehung der Grafen von Henneberg zu dem staufischen Herrscherhaus aufzuzeigen.

Eine alte Urkunde in lateinischer Schrift mit Siegel daran.
Abb.: Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Meiningen, 4-10-0010 Gemeinschaftliches Hennebergisches Archiv GHA Urkunden Nr. 27

Am 22. November 2020 hat sich die Krönung des Stauferkönigs Friedrich II. (1194 – 1250) zum römisch-deutschen Kaiser zum 800. Mal gejährt. Dies nimmt das Staatsarchiv Meiningen zum Anlass, eine Urkunde vorzustellen, die in besonderer Weise geeignet ist, die Beziehung der Grafen von Henneberg zu dem staufischen Herrscherhaus aufzuzeigen.

Dass Thüringen ja grundsätzlich ein besonderes Verhältnis zu den staufischen Herrschern vorweisen kann, lässt sich schon an der 1816 von den Gebrüdern Grimm veröffentlichten Kyffhäusersage ablesen. Diese handelt von der erwarteten Wiederkehr des Kaisers Friedrich I. „Barbarossa“ (italienisch für „Rotbart") und sei - so der Mittelalterhistoriker und Staufer-Experte Knut Görich – die „deutsche Nationalsage“. Am Ende des 19. Jahrhunderts verlieh man dieser Verbundenheit mit dem mittelalterlichen Herrscher durch die Errichtung des sogenannten Kyffhäuserdenkmals bei Bad Frankenhausen nochmal einen nachhaltigeren Charakter. Der Thüringer Historiker Steffen Raßloff stellt dazu fest, dass mit diesem zu Ehren des preußisch-deutschen Kaisers Wilhelms I. (1797 – 1888) auf dem Kyffhäuserberg errichteten und 1896 eingeweihten Denkmal „die Barbarossa-Sage mit dem ‚Reichsgründer‘ Kaiser Wilhelm I. verbunden“ worden sei. Darüber hinaus verweist Raßloff sowohl auf zahlreiche staufische Städtegründungen auf Thüringer Boden wie auf die generelle Verbundenheit der Thüringer Landgrafen mit dem Stauferhaus im 12. und 13. Jahrhundert, die nicht zuletzt auch in entsprechenden Heiratsverbindungen zutage tritt. Die Landgrafen seien so zu „den engsten Beratern der staufischen Kaiser“ geworden.

Darüber hinaus ist auch eine lehnrechtliche Verbindung zwischen dem Reich und der Grafschaft Henneberg nachweisbar. Der spätere Kaiser Friedrich II. (der Enkel Kaiser Barbarossas) wurde am 26. Dezember 1194 geboren, bereits 1196 als Nachfolger seines Vaters Heinrich VI. zum deutschen König gewählt und nochmals zwei Jahre später zum König von Sizilien gekrönt. Interessanterweise ist hier zu erwähnen, dass im selben Jahr dieser Krönung Friedrichs Mutter Konstanze die Vormundschaft für ihren noch unmündigen Sohn dem erst im Januar gewählten Papst Innozenz III. übertrug, bevor sie selbst im November 1198 starb. Deutscher König wurde Friedrich dann schließlich am 9. Dezember 1212. In dieser Funktion stellte er am 12. Mai 1216 dem Grafen Poppo v. Henneberg die hier abgebildete Urkunde aus.

Friedrich II. belehnt mit dieser Urkunde den Grafen unter anderem mit Silberbergwerken sowie Salinen und gestattet ihm, über die Einkünfte, die daraus resultieren, frei zu verfügen. Darüber hinaus enthält die Poenformel, d.h. jener Abschnitt innerhalb einer Urkunde, in dem die Strafen bei Nichteinhaltung des vollzogenen Rechtsaktes genannt werden, die Aussage, dass jeder, der den Grafen in der Ausübung seines durch den König zugebilligten Rechtes behindert, in königliche Ungnade falle.

Fragt man schließlich nach der Ursache für die Belehnung Graf Poppos mit Reichsgut, so begegnet man dem, was oben bereits bezüglich des Verhältnisses zwischen den Thüringer Landgrafen und dem Stauferhaus angesprochen wurde: Es waren nämlich die Ergebenheit und Zuverlässigkeit, mit der Poppo Friedrich begegnet („devotionem et fidem quam erga nos gerit dilectus fidelis noster Boppo Comes de Hennemberc“), die letzteren zu dieser Lehnsauftragung bewogen haben.

Die abgebildete Urkunde wird heute im Staatsarchiv Meiningen im Bestand 4-10-0010 Gemeinschaftliches Hennebergisches Archiv verwahrt. Interessierte können sich das mehr als achthundert Jahre alte Stück jederzeit im Original anschauen.

 

Matthias Gard M.A.

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: