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Geschichte aktuell: Bau der Berliner Mauer im August 1961


plakatives Flugblatt in rot und weiß mit der Überschrift: "Wozu die Mauer in Berlin?" und weiterem Text
Ausschnitt aus der Flugschrift „Du und die Mauer“ (LATh - StA MGN 4-99-5010 Sammlung Dokumente der Gewerkschaftsbewegung Südthüringens Nr. 46).

 

Vor 60 Jahren schloss das SED-Regime im Osten Deutschlands die Demarkationslinie zwischen Ost- und West-Berlin und damit zugleich den letzten offenen Abschnitt der innerdeutschen Grenze. Was am 13. August 1961 mit der Aufstellung von Straßensperren und Zäunen seinen Anfang nahm, resultierte binnen weniger Monate in der Errichtung eines Bauwerks, das wie kein anderes zum Symbol der deutschen Teilung werden sollte – der Berliner Mauer. Fast drei Jahrzehnte lang stand der über 40 km lange Komplex aus Betonplatten, Sperr- und Signalanlagen für die politische Dauerkrise und den unbeschränkten Machtanspruch der SED-Diktatur. Wenngleich genaue Zahlenangaben derzeit immer noch strittig sind, ist von mindestens 140 Menschen auszugehen, die bis 1989 an der schwer bewachten Berliner Sektorengrenze den Tod fanden.

Unter den Zeitgenossen sorgte der Mauerbau für stark polarisierte Reaktionen. Generell dominierten auf beiden Seiten der Grenze Empörung und Ratlosigkeit. Andererseits lässt sich offiziellen Verlautbarungen der ostdeutschen Regierung entnehmen, dass die Errichtung des sogenannten „antifaschistischen Schutzwalls“ mancherorts durchaus begeisterte Zustimmung gefunden haben soll. Aus dem Südthüringer Raum berichtete die Tageszeitung „Freies Wort“ als Organ der SED-Bezirksleitung Suhl am 15.08.1961 wohlwollend über eine „machtvolle Kundgebung“ von „7500 Werktätigen“ in Meiningen, deren Teilnehmer ihre Unterstützung für die von der Regierung Ulbricht eingeleiteten „Maßnahmen zur Sicherung unserer Bürger vor den Bonner und Westberliner Militaristen und Menschenhändlern“ erklärt hätten. Anfang September bildete sich im Bezirk Suhl ein „Freiwilligen-Regiment zur Sicherung der Staatsgrenze in Berlin“, dem unter anderem zahlreiche Mitglieder der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren beitraten.

Dass die Zustimmung der Bevölkerung zur Politik des „Arbeiter- und Bauern-Staats“ letztendlich aber wohl doch keinen so unbegrenzten Charakter trug, wie offizielle Stellen vermitteln wollten, zeigt eine undatierte Flugschrift des Ost-Berliner „Ausschusses für Deutsche Einheit“, die heute einen Bestandteil der Flugblattsammlung des Bezirksvorstands Suhl des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds im Staatsarchiv Meiningen bildet. Unter dem Titel „Du und die Mauer“ wurden hier zahlreiche Sorgen von DDR-Bürgern in Bezug auf die Grenzschließung angesprochen und propagandistisch „widerlegt“. Abschließend jedoch sahen sich die Autoren trotz allem zu einer eindringlichen Warnung an ihre Leserinnen und Leser veranlasst: „Wenn Sie in Berlin vor der Mauer stehen: Lassen Sie sich nicht von denen verwirren, die von der ‚Durchlöcherung‘ der Mauer sprechen. Bedenken Sie: In der souveränen DDR gibt es gültige Gesetze. Und es gibt die Macht, diese Gesetze durchzusetzen. Deshalb: Wenn Sie die Mauer sehen, gebrauchen Sie Ihren Kopf – nicht um gegen die Wand zu rennen, sondern zum Denken!“

 

Kilian Spiethoff

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