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Geschichte aktuell: Deutscher Überfall auf Griechenland


alter Stadtplan von Saloniki in Griechenland und obenauf ein aufgeschlagenes Buch liegend
Abbildung: LATh StA MGN 4-97-7940 Nachlass Hans-Heinrich Rißeler, Nr. 12

Vor achtzig Jahren, am 6. April 1941, überfiel die deutsche Wehrmacht die Königreiche Jugoslawien und Griechenland. Zuvor hatte bereits das faschistische Italien im Oktober 1940 Griechenland angegriffen. Doch die Griechen leisteten erbitterten Widerstand und erhielten Verstärkung durch britische Truppen, woraufhin Mussolinis Krieg zu scheitern drohte. In diesem Augenblick erhielt er Unterstützung aus Deutschland, denn Hitler plante zeitgleich den Überfall auf die Sowjetunion und die drohende italienische Niederlage machte ihm Sorgen. Er hat kein Interesse an einem Desaster seines Achsenverbündeten Mussolini und wollte den Briten nicht den strategisch wichtigen Balkanraum überlassen. Daher griff die deutsche Wehrmacht am 6. April 1941 gemeinsam mit bulgarischen und ungarischen Truppen Jugoslawien und Griechenland an, zerschlug innerhalb von drei Wochen die griechische Armee und zwang die britischen Expeditionstruppen zum Ausweichen an die Thermopylen, nach Kreta und schließlich nach Ägypten.

Das griechische Militär erklärte zwischen dem 20. und dem 23. April gegenüber den Invasoren die bedingungslose Kapitulation. Auf der griechischen Insel Kreta, wohin sich das britische Expeditionskorps aus australischen, neuseeländischen und indischen Soldaten gerettet hatte, dauerten die Kämpfe bis zum Juni 1941 an und wurden von erheblichen Kriegsverbrechen durch deutsche Fallschirmtruppen gekennzeichnet.

In der Folge wurde Griechenland militärisch besetzt und in drei Einfluß- und Besatzungszonen unter deutscher, italienischer und bulgarischer Herrschaft aufgeteilt. Bulgarien annektierte Ostmakedonien sowie Thrakien mit der Ägäisküste und Italien besetzte den größten Teil des Landes mit der Hauptstadt Athen sowie die Ionischen Inseln und die Kykladen. Deutschland selbst besetzte nur die strategisch wichtigen Häfen Thessaloniki (Saloniki), Piräus sowie einige Mittelmeerinseln. Erst nach der Kapitulation Italiens im September 1943 nahmen deutsche Truppen auch dessen Besatzungszone ein. Die Wehrmacht war auf ihren Einsatz gut vorbereitet. Im Staatsarchiv Meiningen sind aus dem Besitz des ehemaligen Wehrmachtssoldaten Hans-Heinrich Rißeler (1913 - 1972) aus Schmalkalden großformatige, farbige Stadtpläne (Maßstab 1 : 10.000) des Generalstabs des Heeres und sogar deutschsprachige Reiseführer eigens für die deutschen Besatzungstruppen überliefert. Das Grauen des Krieges verschwindet hinter Ansichtskarten mit orthodoxen Priestern und der Ägäisküste. 

Im besetzten Griechenland sowie auch in Jugoslawien kam es in den folgenden Jahren zu einer Hungerkatastrophe unter der Zivilbevölkerung, massiven Kriegsverbrechen der Besatzungsmächte, einer systematischen Zerstörung der Infrastruktur und zu einem brutalen Partisanenkrieg. Und die deutsche Besatzung brachte schließlich auch den Holocaust bis nach Griechenland. Über das Konzentrationslager Chaidari in Athen wurde die jüdische Bevölkerung Griechenlands nach den deutschen Vernichtungslagern in Osteuropa verschleppt; allein aus Saloniki, das einst als “Jerusalem des Balkans” bezeichnet wurde, wurden ca. 46.000 Menschen ermordet. Von all dem ahnt nichts, wer den „Kleinen Spaziergang durch Saloniki“ von 1941 liest.

 

Clemens Heitmann

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