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Landesarchiv bei der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen unverzichtbar


Der aktuelle "Bericht der Landesregierung zu ihren Aktivitäten auf dem Gebiet der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen für den Zeitraum März 2017 bis Februar 2018" geht mehrfach auf die Bedeutung des Landesarchivs bei dieser Aufgabe ein.

4.2.2 Adoptionen/Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR

"Am 3. November 2017 fand in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße eine gemeinsam von der Stiftung Ettersberg und der Interessengemeinschaft „Gestohlene Kinder der DDR" organisierte Veranstaltung zu „Zwangsadoptionen in der DDR" statt. [...] Archivarische Fragen konnten zum Teil von anwesenden Bediensteten des Thüringer Landesarchivs beantwortet werden." (S. 31) 

4.2.4 Erfahrungsaustausch zur Rechtspraxis und zum menschlichen Umgang

4.2.4.1 Fachveranstaltungen des TMASGFF

"Der im November 2016 begonnene Erfahrungsaustauch im Bereich Rehabilitierungs- und Versorgungsrecht wurde 2017 fortgesetzt. Am 14. und 28. November 2017 veranstaltete das TMASGFF zwei Informationsveranstaltungen in Meiningen und Suhl zum Thema "Rehabilitierung von SED-Unrecht", an denen vor allem Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der für Rehabilitierungs- und Versorgungsfragen zuständigen Abteilungen des TLVwA teilnahmen.

Die thematischen Schwerpunkte waren:

  • (Re)Traumatisierung - Umgang mit Opfern und Betroffenen,
  • Übersicht über die DDR-Aktenbestände des Landesarchivs/Möglichkeiten der Recherche und Einsichtnahme für Behörden sowie
  • Reichweite und Bedeutung der Amtsermittlungspflicht und des sozialrechtlichen Überprüfungsantrags nach § 44 SGB X im Rehabilitierungs- und Versorgungsrecht.

Externe Referenten waren der Psychologe Dr. Stefan Trobisch-Lütge, Berlin, Dr. Frank Boblenz, Landesarchiv Thüringen, und Michael Hasenbeck, TSK. Sie standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Behörde auch im Rahmen der an die Vorträge anschließenden Gespräche zur Verfügung." (S. 32)

4.4.1 Landesarchiv Thüringen

"Das Landesarchiv Thüringen mit seinen Standorten in Altenburg, Gotha, Greiz, Meiningen, Rudolstadt und Weimar verwahrt etwa 23 lfd. km Akten mit Bezug zur Geschichte der DDR. Diese entstammen unterschiedlicher Provenienz. Zu nennen ist das Verwaltungsschriftgut der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl und der Kreise, außerdem das Schriftgut der Parteien und Massenorganisationen, wie der SED, verschiedener Blockparteien, der FDJ und des FDGB. Umfangreiche Hilfsmittel und Informationen zu den Beständen mit Bezug zur Geschichte der DDR werden durch das Landesarchiv auf einer Themenseite im Internet zur Verfügung gestellt.

Im Berichtszeitraum wurden verschiedene Bestände neu erschlossen und die Recherchemöglichkeit via Online-Findbuch hergestellt. Dies gilt insbesondere für die Bestände der Bezirksleitungen der SED an den Standorten Meiningen, Rudolstadt und Weimar.

Die Arbeit kann beispielhaft an der inhaltlichen und chronologischen Erschließung des Bestandes der SED-Bezirksleitung Gera durch das Staatsarchiv Rudolstadt des Thüringer Landesarchivs dargestellt werden. Dazu wurden die einzelnen Tagesordnungspunkte der Sitzungen des Sekretariats der SED-Bezirksleitung systematisch erfasst. Auf diese Weise wurden 1.465 Akteneinheiten intensiv erschlossen. Das SED-Bezirksparteiarchiv Gera dokumentiert die Geschichte des Bezirkes Gera von 1952 bis 1990. Der Wiederaufbau nach dem verlorenen Weltkrieg, die Umsetzung einer sozialistischen Industrie- und Landwirtschaftspolitik sowie die versuchte einer Aussöhnung mit den osteuropäischen Nachbarländern, lassen sich aus diesem Bestand ebenso nachvollziehen wie die Dominanz der SED gegenüber den anderen Parteien und Massenorganisationen oder die Auseinandersetzung mit der evangelischen Kirche. Online-Findmittel werden auch hier über das Archivportal Thüringen bereitgestellt.

Durch das Staatsarchiv Meiningen des Thüringer Landesarchivs wurde der Bestand von circa 1.200 Akten der Bezirksbehörde der Volkspolizei Suhl zum großen Teil neu erschlossen, neu signiert, technisch bearbeitet und sicherungsverfilmt. Der Bestand enthält u. a. auch Informationen über die Überwachung der kirchlichen Arbeit in den 1950er und 1960er Jahren, über Republikfluchten vor und nach 1961, über die Durchführung der Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze 1952 und 1961 sowie zum Einsatz ausländischer Arbeitskräfte nach 1970. Darüber zeichnen die Bestände mit lückenlosen Tagesrapporten unter anderem ein detailliertes Bild der Vorkommnisse in den letzten Monaten des Bestehens des kleinsten Bezirkes der DDR, der auf Grund seiner Lage und seiner Besonderheiten vom Rest der DDR oft als „autonome Gebirgsrepublik" verspottet wurde. Zu diesem und dem Bestand des Bezirksvorstands Suhl des FDGB stehen auch hier Online-Findbücher bereit.

Das Landesarchiv Thüringen ist Ansprechpartner und Auskunftsquelle zum Nachweis von erlittenem Unrecht und Entschädigungsansprüchen. Anfragen werden von den Betroffenen selbst an das Landesarchiv gerichtet oder von Opferberatungsstellen, wie etwa der Beratungsinitiative SED-Unrecht. Das Landesarchiv bearbeitete zahlreiche Anfragen, führte die damit verbundenen Aktenrecherchen durch und unterstützte Betroffene in ihren berechtigten Belangen. Es nimmt damit eine Mittlerfunktion bei der Rehabilitierung von Opfern politischer Repression und Verfolgung wahr.

Weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Landesarchivs in Bezug auf die DDR-Zeit ist die Übernahme und Bearbeitung des Schriftguts der ehemaligen Volkseigenen Betriebe (VEB) in den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Diese Akten wurden zunächst von der Treuhand verwaltet, dann bei einem Dienstleister gelagert und werden nun nach und nach in die zuständigen Archive überführt. [...]

Das Landesarchiv unterstützte im Berichtszeitraum im Themenkreis III mehrere Fortbildungen, Podiumsdiskussionen und wissenschaftliche Veranstaltungen durch Referentinnen und Referenten." (S. 35 ff)

Der vollständige Bericht ist über folgenden Link abrufbar:

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