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Polizeibehörden in der DDR


Erschließung und Erstellung eines Online-Findbuches für den Bestand Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei (BDVP) Gera im Staatsarchiv Rudolstadt beendet. Zu diesem gehört ebenfalls ein umfangreicher Fotobestand und Tonbandaufnahmen.

Schwarz-rot-goldene DDR-Fahne mit Eichenkranz und Spruchband „Für den Schutz der Arbeiter- und Bauern-Macht, mit eiserner Fahnenspitze und zwei separaten Schleifenbändern
Dienststellenfahne des VPKA Gera mit zwei Ehrenschleifen und Fahnenspitze, Signatur: 2172 (Foto: Sandra Thiel)
Frauenchor, bestehend aus VP-Angehörigen, auf einer Bühne mit Chorleiter in VP-Uniform und einer vierköpfigen Musikgruppe in ziviler Kleidung. Im Hintergrund Bühnenvorhang mit einem Spruchband "1945-1965 20 Jahre Deutsche Volkspolizei."
Fotografie des VP-Frauenchores zur Feier des 20. Jahrestages der Volkspolizei im Mai 1965, Signatur: 2268
Schlafender Versammlungsteilnehmer auf seinem Stuhl
Fotografie einer Versammlung der SED-Grundorganisation der BDVP Gera am 16. Dezember 1966, Signatur: 2318
Ausschnitt einer Tonaufnahme von einer Festveranstaltung zum 25. Jahrestag der Volkspolizei im Juni 1970 im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera, Signatur: 1108

Dem Staatsarchiv Rudolstadt ist es gelungen, die Erstellung eines Online-Findbuches für den Bestand Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei (BDVP) Gera zu beenden. Nach der BDVP Suhl, für die bereits seit 2017 ein Online-Findbuch beim Staatsarchiv Meiningen existiert, stehen nunmehr für zwei der drei ehemaligen DDR-Bezirke auf dem Gebiet des heutigen Freistaates Thüringen Online-Findbücher für die zentralen Behörden der Volkspolizei zur Verfügung. Damit erleichtern wir den öffentlichen Zugang zu bedeutenden Unterlagen über polizeiliche Arbeit im Bezirk Gera und tragen dem gestiegenen Interesse der Nutzerinnen und Nutzer an Archivbeständen aus der DDR Rechnung.

Historischer Abriss

Gebildet im Zuge der Auflösung der fünf Länder und der Neubildung der 14 Bezirke, unterstanden der BDVP Gera als bezirkliche Polizeibehörde fortan die elf Volkspolizeikreisämter Eisenberg, Gera, Greiz, Jena, Lobenstein, Pößneck, Rudolstadt, Saalfeld, Schleiz, Stadtroda und Zeulenroda, das Transportpolizeiamt Gera, Sitz Saalfeld, die Untersuchungshaftanstalten Gera und Rudolstadt, die Jugendstrafanstalt Hohenleuben, die Strafvollzugseinrichtung Unterwellenborn, die VP-Bereitschaft in Rudolstadt sowie die Polizeischule in Gera. Die BDVP Gera gliederte sich zunächst im Wesentlichen in zwölf, ab den 1960er Jahren in zehn Abteilungen, die dem Chef der BDVP Gera unterstanden. Neben dem Stabschef und den Stellvertretern waren auch die Leiter der Abteilungen und nachgeordneten Dienststellen sowie der Presseoffizier dem Chef der BDVP unmittelbar unterstellt. Der Hauptsitz der BDVP Gera befand sich seit 1960 in einem Neubau in der Klement-Gottwald-Straße, der heutigen Theaterstraße in Gera. Nachdem die BDVP Gera im Jahr 1991 zusammen mit den nachgeordneten Behörden in die Landespolizei Thüringen überführt wurde, dient ein Großteil dieses Gebäudekomplexes heute (2021) als Sitz der Landespolizeiinspektion Gera.

Bestandsgeschichte

Das Archivgut der BDVP Gera und ausgewählte Schriftgutkategorien der anderen polizeilichen Dienststellen des Bezirkes wurden bis 1990 vom Behördenarchiv der BDVP aufbereitet und regelmäßig dem Zentralen Endarchiv des Ministeriums des Innern der DDR in Berlin übergeben. Dabei galten strenge Bewertungsmaßstäbe, sodass nur ein kleiner Teil der bezirklichen Überlieferung nach Berlin kam und dort unter der Bestandssignatur 21 aufbewahrt wurde. Die nicht als Archivgut eingestuften Schriftgutkategorien wurden nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen in Gera vernichtet. Bei der Auflösung der BDVP bzw. deren Überleitung in die Polizeidirektionen Gera, Jena und Saalfeld des Freistaats Thüringen im Jahr 1991 wurden zunächst fast alle vorhandenen Unterlagen in der BDVP gesichert und in das Staatsarchiv Rudolstadt übernommen, eine intensive Bewertung fand zunächst nicht statt. Im Jahr 1991 erfolgte eine Rückführung des sogenannten Historischen Bestandes der BDVP Gera, einschließlich ihrer bis 1990 existierenden Polizeidienststellen, aus dem ehemaligen Zentralen Endarchiv des MdI in Berlin. Dieser Historische Bestand wurde zunächst nicht aufgelöst, sondern der aktuellen Übernahme aus dem Archiv der BDVP Gera 1991 angehängt. In den 1990er Jahren erfolgten mehrere Umsignierungen, ohne dabei wesentlich die Erschließung der Akten zu verändern. Zu allen Überlieferungen waren Altfindbücher vorhanden. Lediglich die Übernahme aus Gera von 1991 war bereits vollständig in der AUGIAS-Datenbank verzeichnet. Eine vollständige Neubearbeitung des Bestandes BDVP Gera erfolgte schließlich von 2018 bis 2019 durch Daniel Jähnichen und Christoph Oelmann.

Problemstellungen bei der Erschließung

Eine besondere Herausforderung bei der Erschließung und der Erstellung des Online-Findbuches stellte die Vielzahl personenbezogener Angaben dar, die in zahlreichen Akten des Bestandes vorhanden sind und deren Einsichtnahme nach den geltenden archivgesetzlichen Bestimmungen in der Regel erst nach Erlöschen einer Schutzfrist (100 Jahre nach der Geburt bzw. 10 Jahre nach dem Tod der Person) möglich ist. Hier musste die Aufgabe der Bereitstellung von Informationen mit datenschutzrechtlichen Bestimmungen in Einklang gebracht werden, um die Einbeziehung dieser Archivalien in das Online-Findbuch zu ermöglichen. Dies bedeutete eine besondere Herausforderung für die Erstellung von Aktentiteln und Enthält-Vermerken, während sensible Daten auf AUGIAS in einem gesonderten Feld vermerkt wurden, das bei der Erstellung des Findbuches nicht mit einbezogen wurde. Nutzerinnen und Nutzer haben so die Möglichkeit, sich zu informieren und ggf. bei einer Benutzung einen Antrag auf Schutzfristenverkürzung für diese Archivalien zu beantragen.

Christoph Oelmann

Online-Findbuch der BDVP auf dem Thüringer Archivportal

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